Hannover: Mehrgenerationenhäuser (MGH), sie sind Ersatzfamilie, sozialer Treffpunkt und kleine Volkshochschulen in einem. Ob es sich um den offenen Mittagstisch, Sprachkurse für MigrantInnen, PC-Kurse, haushaltsnahe Dienstleistungen, die Betreuung von Senioren oder an Demenz erkrankten Menschen oder um freiwilliges Engagement handelt: Die insgesamt 60 Mehrgenerationenhäuser in Niedersachen und Bremen sind inzwischen zu einer Art Dorfbrunnen der Moderne geworden und nicht mehr aus der Gesellschaft weg zu denken.
Am 12. März trafen sich 80 VertreterInnen aller niedersächsischen und Bremer Mehrgenerationenhäuser zu einem Vernetzungstreffen in Hannover-Döhren.
Frau Ursula Kopp, Vertreterin des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Frau Karin Wild, Vertreterin des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben sowie Frau Kofahl-Langmack und Frau Heckmann vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, und der Referent Herr Ulrich Mahner vom Niedersächsischen Städtetag überbrachten Grußworte.
Alle Redner begrüßten den Start des Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser II und lobten die guten Vernetzungsstrukturen in Niedersachsen. Herr Mahner berichtete von der anstehenden Mitgliederversammlung des Städtetags, die unter dem Motto „Zukunft vor Ort gestalten“ stehe. Die dauerhafte Existenz der Mehrgenerationenhäuser könne dazu beitragen, dass „Menschen in jeder Phase ihres Lebens Gemeinschaft erleben können“. Er forderte von Bund und Land, die Voraussetzungen für eine gesicherte Finanzierung gemeinsam mit den Kommunen zu schaffen.
Es folgte ein Impulsreferat von Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe, Universität Gießen, mit dem Thema „Mehrgenerationenhäuser: Dorfbrunnen der Moderne“. Frau Prof. Dr. Meier-Gräwe stellte in Ihrem Referat deutlich heraus, warum Mehrgenerationenhäuser eine zeitgemäße sozialräumliche Struktur sein können, um das Geben und Nehmen zwischen verschiedenen Generationen und sozialen Milieus mit ihren unterschiedlichen Ressourcen und Bedarfen im Alltag zu stärken. Prof. Dr Meier-Gräwe ging besonders auf die Arbeitsmarktorientierung der Mehrgenerationenhäuser als Dienstleistungsdrehscheiben ein, denn sie hält die derzeitige Konzentration in der Beschäftigungsförderung auf Industrie und Handwerk für eine „sozio- ökonomische Blindflugthese“. „ErzieherInnen, LehrerInnen und Krankenschwestern arbeiten extrem wertschöpfend; in diesem Bereich zu sparen, ist schlichtweg abenteuerlich!“

Innerhalb der Diskussion wurde von allen Teilnehmenden deutlich herausgestellt, wie wichtig eine dauerhafte, nachhaltige Förderung und Vernetzung aller MGHs, unabhängig verschiedener Förderprogrammen ist.
Den Nachmittag nutzten die TeilnehmerInnen, um in verschiedenen Workshops Erfahrungen und Ideen auszutauschen. Im Mittelpunkt standen dabei die vier neuen Handlungsschwerpunkte des Aktionsprogramm II: Alter und Pflege, Integration und Bildung, Angebot und Vermittlung von haushaltsnahen Dienstleistungen und Freiwilliges Engagement.
„Besonders interessant fanden wir den regen fachlichen Austausch mit den KoordinatorInnen der anderen Mehr Generationen Häuser“, resümiert Annette Denkena von DRK- Mehrgenerationenzentrum Uelzen.